Rückblick auf das Sommerfest im Lichte der brandenburgisch-polnischen Beziehungen

Bei strahlendem Sonnenschein fand am letzten Sommerwochenende am Samstag, den 20. September das Sommerfest der Europa-Union Brandenburg e.V. in Kooperation mit den Kreisverbänden Havelland, Oberhavel und Potsdam/Potsdam-Mittelmark statt. Highlight des Sommerfestes am Falkenhagener See im Ristorante Villa Al Porto war ein Expertengespräch zu den deutsch- bzw. brandenburgisch-polnischen Beziehungen, an dem mehr als 30 Gäste und Mitglieder der Europa-Union teilnahmen.

v.l.n.r.: Jobst-Hinrich Ubbelohde, Dr. Mechthild Baumann, Dr. Kamila Schöll-Mazurek, Iwona Jakuszko-Dudka und Juliusz Pakuła

Nach einer kurzen Begrüßung von Dr. Mechthild Baumann, Landesvorsitzende der Europa-Union Brandenburg, und von Verena Hedtke, Kreisvorsitzende der Europa-Union Havelland, leitete Jobst-Hinrich Ubbelohde, Beisitzer im Landesvorstand der Europa-Union Brandenburg und Moderator des Expertengesprächs, direkt zu den beiden Diskutantinnen des Gesprächs über: Mit der Stv. Botschafterin Iwona Jakuszko-Dudka, Stellvertretende Leiterin der Botschaft der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland, und Dr. Kamila Schöll-Mazurek, Bundesgeschäftsführerin des Polnischen Sozialrates e.V., standen den mehr als 30 Teilnehmenden zwei Expertinnen Rede und Antwort. Schwerpunkte des Gesprächs waren u.a. die Auswirkungen der Grenzkontrollen entlang der deutsch-polnischen Grenze sowie die innenpolitische Situation in Polen nach den Präsidentschaftswahlen.

Jakuszko-Dudka wies zu Beginn der Diskussion darauf hin, dass – von den Grenzkontrollen abgesehen – seit dem vergangenen Jahr in den deutsch-polnischen Beziehungen spürbare Verbesserungen erreicht worden seien. Gleichzeitig sei auffällig, dass Polen im Vergleich zu Deutschland inzwischen die deutlich stärker wachsende Wirtschaft habe. Schöll-Mazurek sprach in dem Kontext die Rückkehrpolitik Polens an, die nicht nur vom wirtschaftlichen Erfolg Polens, sondern auch von Diskriminierungserfahrungen der Polinnen und Polen in Deutschland getrieben sei. Sie erinnerte zudem daran, dass insbesondere Deutschland aufgrund seiner demografischen Entwicklung auf Zuwanderung angewiesen sei. 

Konkret angesprochen auf die Grenzkontrollen erklärte Jakuszko-Dudka, dass Polen die Grenzkontrollen seinerseits in Reaktion auf die Kontrollen Deutschlands eingeführt habe. Statt Kontrollen an den EU-Binnengrenzen müssten die Außengrenzen stärker geschützt werden, um wirtschaftlichen Schaden auf beiden Seiten der Grenze abzuwenden. Schöll-Mazurek verwies in dem Kontext auf die Bürgerwehren auf polnischer Seite, die die polnische Regierung unter Druck gesetzt hätten, ebenfalls Grenzkontrollen entlang der deutsch-polnischen Grenzen einzurichten.

Zur Debatte um mögliche Reparationszahlungen für die erlittenen Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg, die zuletzt von Polens neuem Präsidenten Karol Nawrocki bei seinem Antrittsbesuch in Deutschland am 16. September adressiert wurde, warb Jakuszko-Dudka um Verständnis. Rechtlich sei die Reparationsfrage abgeschlossen, allerdings gebe es von den verbliebenen lebenden Opfern große Erwartungen. Schöll-Mazurek regte an, dass beispielsweise ein gemeinsamer Fonds z.B. für Bildungsaustauschprogramme eingerichtet werden könnte

Jakuszko-Dudka legte abschließend großen Wert darauf, die positive Entwicklung der polnisch-deutschen Beziehungen hervorzuheben: „Wir sollten mehr über unsere Erfolgsgeschichte sprechen“, betonte sie. Im kommenden Jahr z.B. jähre sich am 17. Juni die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrags zum 35. Mal. Sicherlich werden auch wir als Europa-Union diese Gelegenheit nutzen, und auf die Wichtigkeit guter und enger Beziehungen zu unseren polnischen Freundinnen und Freunden aufmerksam zu machen.


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